Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmittel

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Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmittel

Beitragvon Ribolla_67 » Mo 13. Jun 2016, 13:27

Mein Dino hat in den letzten 12 Monaten mehr Verschleiss und Schädigung erfahren als in den 14 Jahren zuvor: Lange Standzeiten, kurzes Rangieren, zuletzt Probefahrten mit kaltem Motor.

Als erste Hilfe plane ich Erneuerung sämtlicher Betriebsmittel, dazu mein aktueller Recherchestand:

Schaltgetriebe:
Rückfrage bei ZF Tradition: Freigegeben sind GL4 Schaltgetriebeöle. Wie bei älteren Getrieben üblich, warnt ZF ausdrücklich vor Verwendung von GL4+ und GL5-Ölen, weil "Zusätze in Ölen können Synchronringe aus CuZn-Legierungen, als auch mit Molybdän beschichtete Synchronringe in Mitleidenschaft ziehen." Damit sind moderne EP-Zusätze mit Phosphor und Schwefel zur Erhöhung der Fresstragfähigkeit am Hypoidradsatz gemeint, die im Hinterachsgetriebe natürlich hoch willkommen sind (dort allerdings alte Dichtringe schädigen können).

Ich werde also Castrol Syntrans Multivehicle 75W90 einfüllen, eines der besten GL3/GL4-Öle, ohne Buntmetall schädigende Additive, und von ZF definitiv freigegeben (Achtung nicht mit Syntrans Transaxle verwechseln, das wäre genau das falsche GL4+ Öl) - gilt natürlich alles nur für 2400, nicht für Fiat-Getriebe im 2000!

Lenkgetriebe:
Rücksprache mit ZF Lenksysteme Schwäbisch Gmünd (jetzt Bosch Automotive Steering): Schmierstoffliste ist ziemlich allgemein gehalten, gibt grundsätzlich alle GL4 - und GL5 Getriebeöle frei. EP-Eigenschaft "Extreme Pressure" ist als Verschleißschutz für Schnecke hoch erwünscht, kann aber alten Dichtring angreifen (DR ist leichter beschaffbar als Schnecke). LS Eigenschaft "limited Slip" hat im Lenkgetriebe nichts zu suchen.

Habe kurioserweise ZF-Servolenkung aus dem Fiat 132 drin , werde wie von ZF/Bosch freigegeben ATF-Öl nach Dexron III Norm einfüllen.

Kühlkreislauf:
Bei alten Motoren darf auf jeden Fall nur Silikat-Frostschutz rein, werde also Glysantin G48 verwenden. Moderne silikatfreie Mittel würden mit Rückständen reagieren und zu Ausflockungen führen.

Frage ist noch, ob Kühlerreinigung mit z.B. Liqui Moly Kühlerreiniger sinnvoll ist oder bloss die Wasserpumpe zerstört.

Fortsetzung folgt...
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Re: Betriebsmittel erneuern - Kerzen, Motoröl...

Beitragvon Ribolla_67 » Mo 20. Jun 2016, 21:16

Update: heute Kerzen auf NGK Iridium gewechselt - damit wurde der Dino vom Vier- zum Sechszylinder upgegraded.

Jetzt zerbreche ich mir den Kopf zum Thema Motoröl - meine oldtimer- affinen Arbeitskollegen empfehlen Mobil1 5w50. Schnellstmögliche Nockenwellenschmierung beim Kaltstart, ausreichende Dichtungspflege und vor allem hohe Warmviskosität, damit die Sommerfeldzahl ausreichend Abstand zur Mischreibung einhält- trotz (wahrscheinlich?) erweitertem Lagerspiel.

Saluti

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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon Tobi » Mo 20. Jun 2016, 23:12

Bei einem alten Motor solltest Du einfaches Mineralöl fahren. 20W50 ist da ganz OK.
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon MarkusWi » Di 21. Jun 2016, 21:50

Korrekt, wie Tobi schreibt: 20W50 mineralisch ist die beste Wahl bei "unserem" Motor, wenn noch nicht vollständig überholt. Sorgfältiges Warmfahren etc. sowieso vorausgeetzt. Ansonsten empfehlen viele Leidensgenossen auch 10W40 bei einem überholten Dinomotor. 5W50 ist zu dünnflüssig und kommt wahrscheinlich zeitgleich beim Reinkippen unten und an den Seiten wieder raus....
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon Ribolla_67 » Fr 5. Aug 2016, 08:58

Kleines update:

Das abgelassene Motoröl war nicht besonders toll, dürfte schon einige Jahre am Buckel haben, das Hinterachsgetriebeöl war ok und ohne Späne.

Leider hat der Vorbesitzer offensichtlich GL5-Getriebeöl in die ZF-Box gefüllt, heraus kam goldmetallic.

Auch bei den Bremsen gab's eine negative Überraschung: offensichtlich wurde jahrelang nur die Flüssigkeit in den Behältern gewechselt, aber nicht in den Kreisläufen. Vor allem an der Hinterachse war die Flüssigkeit grauenvoll. Jetzt ist DOT 3 ATE drin. Aber das wehcsle ich im Frühling nochmals komplett.

Motoröl habe ich provisorisch Castrol 20W50 mineralisch eingefüllt, sozusagen zum Spülen. Aufgrund des niedrigen ZDDP-Wertes von 800 ppm fliegt das aber bald wieder raus, Nockenwellen sind teuer. Der HTHS- Wert (High Temperature/High Shear) den der Dino-Motor besonders braucht, ist auch nicht gut. Das teure mineralische Castrol Classic ist leider genau dort modern, wo man's nicht braucht.

Jetzt fehlt nur noch das Warnblinkerrelais, und dann geht's zur Einzelgenehmigung.

Saluti

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Re: Betriebsmittel erneuern - Endgültiges Motoröl

Beitragvon Ribolla_67 » Di 11. Okt 2016, 09:45

Seit ca. 2000 km habe ich jetzt das endgültige Motoröl drin - Mobil 1 5W50 vollsynthetisch.

Es tropft noch immer nix - logisch, denn bei 120 Grad ist es zäher als 20W50.
Und die Kurbelwelle hat auch keinen Lagerschaden - ebenso logisch, denn das 5W50 "Peak Life" ist bezüglich Detergentien relativ mild additiviert.

Was es an Vorteilen bringen sollte:
- schnellere Schmierung der Nockenwellen beim Kaltstart ("5W")
- höherer ZDDP-Wert als Castrol Classic - für Schmierung von Nocken und Stösseln (1100 statt 800 ppm)
- Sehr guter HighTemperature HighShear Wert von 4,4 - für die Kolben...

Wichtig: Bei einem ungeöffneten Motor würde ich das nicht machen.
Mein Motor hat 155.000 km drauf und wurde bei km-Stand 90.000 komplett überholt.
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon Tobi » Di 11. Okt 2016, 09:58

Wenn Dein Motor vor gut 60 Tkm überholt wurde, ist er eigentlich auch nicht gerade neu gemacht. Die Problematik mit den modernen vollsynthetischen Ölen soll ja sein, dass sie alte Verkrustungen anlösen können, die dann in den Kreislauf geraten können und dort den einen oder anderen Versorgungskanal zusetzen können. Und das kann bei einem Motor mit gut 60 Tkm natürlich aus passieren. Ich habe bewusst viel Konjunktive gewählt, weil ich es auch nicht besser weiß und es auf dem Gebiet fast so viele "Weisheiten" gibt wie in der Quacksalberei.
Grundsätzlich sind die Autos für die damals verfügbaren Betriebsstoffe gebaut und ausgelegt worden. Sie sollten daher auch ausreichend "gut" sein. Jetzt kann man natürlich auch das Thema anschneiden, dass ein Mineralöl 20W50 1969 nicht unbedingt identisch war mit einem von heute, aber das würde - zumindest für mich - zu weit führen.
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon Ribolla_67 » Di 11. Okt 2016, 10:55

Das "Lösen von Verschmutzungen" stimmt, hat aber kausal nichts mit "Vollsynthetisch" oder "Mineralisch" zu tun. Das erfolgt durch Detergentien - und die sind auch in jedem mineralischen 15W40 oder 20W50 drin.

Man sollte kein Öl mit Detergentien und Dispersanten in Vorkriegs-Oldtimern fahren, bei einem modernen Motor mit Hauptstrom-Ölfilter (wie dem Dino) ist das aber kein Problem, ganz im Gegenteil.
Ein Restrisiko sind immer die Schmutz- und Ölkohlerückstände in den Sacklöchern der Kurbelwellenbohrungen (sozusagen hinter den Alu-Stopfen). Aber dagegen hilft nur eine gut gemachte Motorüberholung - und dann ein gutes Öl.

Gefährlich für unsere Motoren sind (aber das hat nichts mit "vollsynthetischem Grundöl" zu tun):
- Extreme Longlife-Öle
- Extreme Leichtlauföle z.B. 0W30 - das ist WIRKLICH zu dünn in den Gleitlagern (Sommerfeld-Zahl)
- Moderne Leichtlauföle mit reduziertem HTHS-Wert von 3,5 auf 2,8 - bringt bei konstruktiv dafür ausgelegten Motoren 1% Verbrauchsreduktion- aber bei hochdrehenden Motoren Risiko Schmierfilmabriss am Kolben
- Moderne Katalysator-optimierte Öle mit reduziertem ZDDP-Wert (Zinkdithiophosphat) - deutlich weniger Asche im Kat, aber viel schlechterer Verschleißschutz bei Nocken und Tassenstösseln. Bei modernen Motoren mit Rollen kein Problem, aber mörderisch für Alfa, Dino, Jaguar...
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon Tobi » Di 11. Okt 2016, 17:09

Interessant! Scheint also doch noch einiges mehr dahinter zu stecken. Ich muss passen. Bin gespannt, wie sich unser Tribologie-Experte äußert.
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Re: Betriebsmittel erneuern - Getriebeöl, Lenkung, Kühlmitte

Beitragvon bebe » Mi 12. Okt 2016, 14:47

Also... ich kenne mich da ja nicht so gut aus, aber hat man denn z.B. während der Kaltlaufphase mit einem 5Wxx-Öl dann nicht weniger Öldruck als mit 20Wxx?
Porsche zum Beispiel hat ja das Klassik-Öl, extra empfohlen für die Baujahre bis ca. 1985. Das hat 20W50. Und die werden sich schon auskennen, oder?

PS: und günstig ist das Porsche Öl auch! Nur 2,98. Also nur der Aufkleber jetzt, für den Ölwechsel.
DeLonghi Magnifica Automatic Cappuccino, Suchoi Su-24 mit Ljulka AL-21, Nokia 6310i #40056310322417007641
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