Hinterradlager 2,4

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Hinterradlager 2,4

Beitragvon berndr » Sa 7. Jul 2018, 16:09

Aus aktuellem Anlass mal eine Warnung vor den Hinterradlagern, die nicht von skf sind und über ebay usw. für ca. € 100,-- verkauft werden.
Davon hat eines bei mir keine 3000 km gehalten, jetzt steht diese unangenehme Arbeit schon wieder an.

Das kann natürlich ein Ausnahmefall sein oder an der Oldtimerfachwerkstatt in Berlin-Kreuzberg liegen, die dieses Lager gewechselt hat und mir dabei auch noch so gut wie alle Kühlrippen des unteren Differentialdeckels mit einem großen Wagenheber beschädigt hat. :(
Dieses Mal werde ich lieber wieder selber wechseln.
DP verkauft scheinbar auch die Nachfertigungen, hat da jemand bessere Erfahrunge gemacht?

Ggf. sollte man nach Möglichkeit zu den skf-Lagern greifen, die ja ab und zu ziemlich teuer als NOS angeboten werden. Letzten Endes können die billigen Lager teurer kommen.
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Re: Hinterradlager 2,4

Beitragvon ThomasK » So 8. Jul 2018, 08:18

Hm, ich hab meine hinteren Lager vor einigen Jahren von Peters Bearings gekauft. Das sind keine SKF aber mit denen fahre ich seit einigen Jahren und mehreren tausend KM problemlos durch die Gegend.

Man muss beim Einpressen gut den inneren Lagerring abstützen sonst baut man gleich ein beschädigtes Lager ein.

Ob das bei Dir jetzt an Material oder Einbau liegt ist aber nicht zu sagen, aus der Ferne.
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Re: Hinterradlager 2,4

Beitragvon Tobi » So 8. Jul 2018, 09:58

Sind das Standard-Lager oder proprietäre, die jetzt nachgefertigt werden?
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Re: Hinterradlager 2,4

Beitragvon Georg » Mo 9. Jul 2018, 22:14

Dieses Radlager wurde ursprünglich von der italienischen Firma RIV hergestellt und im Fiat 130 (hinten und vorne), im Fiat Dino 2400 so wie angeblich im Pantera und Merak verbaut. Die Firma RIV wurde Anfang der Siebziger von SKF übernommen. Seit dem Zeitpunkt findet sich der Schriftzug SKF auf den Lagern, zuvor RIV.
An sich ist dieser Lagertyp "doppelreihiges Kugellager" nichts besonderes, findet sich heute in vielen Autos. Der Vorteil ist, daß kein Lagerspiel eingestellt werden muß.

Für aktuelle Autos kostet so ein Lager zwischen EUR 30 und 60. Da nun aber bei den von uns benötigten Lagern italienische Klassiker als Verwender anstehen, malt der Verkäufer gerne beim Preis schell ‘ne null hintendran. Ich kann mich noch erinnern, schon in den frühen Neunzigern hieß es diese Lager seien knapp und müssen daher teuer sein. Ich erinner mich an DM Preise für SKF Originale von DM >100.

Der Einbau ist an sich kein Hexenwerk, sofern man eine Presse und das richtige Werkzeug hat. Beim Einpressen des Lagers in den sogenannten Achsschenkel den Druck immer auf den äußeren Lagerring geben. Der äußere Lagerring ist leicht angefast, das Einfädeln daher nicht so schwierig. Wichtig, das Lager beim Einpressen nicht verkannten.

Im nächsten Schritt die Radnabe in den zweiteiligen inneren Lagerring einpressen. Dabei ist es unerläßlich, den inneren Lagerring von hinten abzustützen. Macht man das nicht, drückt man den hinteren inneren Lagerring heraus, die Kugeln fallen raus, und man kann möglicherweise den Käfig verbiegen. Zum Zusammensetzen muß man das Lager dann wieder aus dem Achsschenkel rausdrücken. Ein Scheißjob.

Peters Bearing hat (nach Aussage des Vertriebsmitarbeiters Kevin Hinzmann - ebay alias Super Hinz) diese Lager in Asien nachbauen lassen. Soweit ich weiß, stammen alle angebotenen Lager bei den einschlägigen Anbietern für Dino Ersatzteile von diesem Hersteller. Sie unterschieden sich nur im Preis. Man kann also getrost den günstigsten Anbieter wählen.

Ich selber fahre zwei dieser Nachbau-Lager auf der Vorderachse in einem Fiat 130, ohne Beanstandung.
Vor ca. einem Monat habe ich dann ein weiteres Paar Lager in die Hinterachse eingebaut. Eines drehte sich nach dem Einbau sehr rau. Peters Bearing behauptete meinen Einbaufehler, ich behaupte einen Produktionsfehler. Letztlich hat Peters Bearing das Lager dann ersetzt. Alles gut.

Bei der Montage der beiden Nachbau-Lager ist mir aufgefallen, daß diese leichter in den Achsschenkel rutschten als SKF oder RIV Lager. Ich habe schon einige SKF und RIV Lager montiert, da mußte ich mit der Presse immer deutlich drücken. Ich vermute, daß das Nachbaulager einige hundertstel mm weniger Außendurchmesser hat. Nun hoffe ich, daß sich dies nicht auf das Fahrverhalten auswirkt. Ein Lager, das nicht fest im Achsschenkel sitzt, läßt das Auto beim Beschleunigen und Bremsen eiern.

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Re: Hinterradlager 2,4

Beitragvon berndr » Mo 9. Jul 2018, 23:50

Hallo Georg, danke für die ausführliche Stellungnahme. Sobald ich das superhinz-Lager, das nur so kurz gehalten hat, nach Möglichkeit genau anschauen und dann berichten.
Ein Werkststattfehler würde mich auch nicht mehr wundern.
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